Anne Frank verbrachte nahezu ihr ganzes Leben in Amsterdam, und an Dutzenden Orten der Stadt ist diese Geschichte noch gegenwärtig, von ihrem Schulgebäude bis zum Hinterhaus, in dem sie ihr Tagebuch schrieb.
Ihr Leben in dieser Stadt
Über die neun Jahre, die Anne vor dem Untertauchen in Amsterdam lebte, wissen wir erstaunlich viel.
Geflohen aus Frankfurt: die Familie Frank kam 1933 und 1934 nach Amsterdam, auf der Flucht vor den Nazis in Deutschland. Anne war damals vier Jahre alt.
Aufgewachsen in Zuid: sie wohnte neun Jahre am Merwedeplein im Rivierenbuurt, ging dort zur Schule und spielte mit Freundinnen auf der Straße.
Untergetaucht ab 1942: am 6. Juli 1942 zog die Familie in das Hinterhaus an der Prinsengracht, wo acht Menschen über zwei Jahre verborgen lebten.
Das Tagebuch:Anne bekam es zu ihrem dreizehnten Geburtstag und schrieb bis zum 1. August 1944 hinein. Nach dem Krieg veröffentlichte ihr Vater Otto es, als einziger Überlebender der acht Untergetauchten.
Weltweit gelesen:Das Tagebuch der Anne Frank ist in mehr als siebzig Sprachen übersetzt und zählt zu den meistgelesenen Büchern der Welt.
Was Sie sehen: das Hinterhaus wurde bewusst leer gelassen, so wie Otto Frank es nach dem Krieg vorfand. Sie gehen hinter dem berühmten drehbaren Bücherregal entlang durch die kleinen Zimmer, in denen acht Menschen über zwei Jahre lebten.
Die Bilder an der Wand: in Annes Kammer hängen noch die Filmstarfotos, die sie selbst auf die Tapete klebte, hinter Glas bewahrt.
Das Tagebuch selbst: im modernen Museumsteil liegen das originale rotkarierte Tagebuch und die losen Hefte, in denen sie weiterschrieb.
Die Adresse: das Haus steht an der Prinsengracht 263-267, doch der Eingang liegt um die Ecke am Westermarkt 20. Das erspart Ihnen Suchen bei der Ankunft.
Rechnen Sie mit anderthalb Stunden:das Museum empfiehlt neunzig Minuten, den modernen Ausstellungsteil eingerechnet.
Merwedeplein: die Wohnung der Familie Frank
Bevor die Familie untertauchte, wohnte sie neun Jahre am Merwedeplein im Rivierenbuurt.
Ihre Wohnung: in Nummer 37-II lebten Otto, Edith, Margot und Anne von 1933 bis Juli 1942. Das Haus wurde 2005 im Stil der dreißiger Jahre restauriert.
Heute eine Schriftstellerresidenz: die Wohnung dient als Unterkunft für Schriftsteller, die im eigenen Land wegen Zensur oder Verfolgung nicht arbeiten können. Sie ist für Besucher nicht zugänglich.
Die Statue auf dem Platz: auf dem Merwedeplein steht seit 2005 eine kleine Bronzestatue von Anne, geschaffen von Jet Schepp, die sie so zeigt, wie sie hier als Mädchen unterwegs war.
Ein ganz normales Viertel: genau das macht es besonders. Dies ist eine ruhige Wohngegend, in der Kinder auf der Straße spielen, ganz so wie Anne es hier tat.
Ihre Schulen
Zwei Schulgebäude aus ihrem Leben stehen noch, und gemeinsam erzählen sie, wie schnell sich ihre Welt veränderte.
Die Montessorischule: an der Niersstraat 41 lag die 6. Montessorischule, die Anne von 1934 bis 1941 besuchte. Die Schule trägt seit 1957 ihren Namen und ist bis heute in Betrieb.
Das Jüdische Lyzeum: ab September 1941 mussten jüdische Kinder auf gesonderte Schulen. Anne kam auf das Jüdische Lyzeum an den Stadstimmertuinen, wo sie Jacqueline van Maarsen kennenlernte, die Freundin, die in ihrem Tagebuch vorkommt.
Was das bedeutete: der erzwungene Wechsel 1941 war für viele jüdische Kinder der erste Moment, in dem die Ausgrenzung konkret wurde. Beide Gebäude stehen noch und sind von außen zu sehen.
Die Westerkerk und die Statue
Zwei Orte einen Steinwurf vom Hinterhaus entfernt, beide frei zugänglich.
Die Glocke, die sie hörte: vom Hinterhaus aus konnte Anne den Turm der Westerkerk sehen. In ihrem Tagebuch schrieb sie, dass ihr das Glockenschlagen gerade Ruhe gab, während es die anderen störte.
Den Turm besteigen: der Westertoren kann in der Saison unter Führung bestiegen werden und bietet Aussicht über den Grachtengürtel, einschließlich des Dachs vom Hinterhaus.
Die Statue: auf dem Westermarkt steht seit 1977 die Bronzestatue von Anne Frank, geschaffen von Mari Andriessen. Sie ist frei zugänglich, und es liegen dort nahezu immer Blumen.
Nach der Verhaftung
Was nach dem 4. August 1944 geschah, spielte sich an Adressen ab, die heute nicht mehr als solche erkennbar sind.
Die Euterpestraat: nach der Razzia wurde die Familie zum Hauptquartier des Sicherheitsdienstes gebracht, in das Schulgebäude an der damaligen Euterpestraat in Zuid. Die Straße heißt seit 1945 Gerrit van der Veenstraat, nach dem Widerstandskämpfer, der dort gefangen gehalten wurde.
Das Untersuchungsgefängnis: danach folgten einige Tage an der Weteringschans. Dieses Gefängnis wurde 1968 abgerissen; an seiner Stelle liegt heute der Max Euweplein, unweit des Leidseplein.
Über Westerbork: am 8. August 1944 fuhr die Familie mit dem Zug ins Lager Westerbork in Drenthe, und am 3. September folgte der letzte Transport aus den Niederlanden nach Auschwitz.
Nur Otto kehrte zurück: von den acht Untergetauchten überlebte allein Annes Vater den Krieg. Anne und Margot starben Anfang 1945 in Bergen-Belsen, kurz vor der Befreiung des Lagers.
Das Tagebuch blieb:Miep Gies hatte die Hefte aufbewahrt, ohne sie zu lesen. 1947 erschien das Tagebuch, auf Initiative von Otto.
Anne-Frank-Route durch Amsterdam
Sechs Orte, die alle eine belegbare Verbindung zu ihrem Leben haben, von ihrer ersten Wohnung bis zum Denkmal, an dem noch täglich Blumen liegen.
Merwedeplein 37-II; 1933 bis 1942
Die Wohnung, in der die Familie Frank nach der Flucht aus Frankfurt neun Jahre lebte. Hier feierte Anne am 12. Juni 1942 ihren dreizehnten Geburtstag und bekam das rotkarierte Tagebuch. Keinen Monat später tauchte die Familie unter. Auf dem Platz steht ihre Bronzestatue von 2005.
Niersstraat 41; 1934 bis 1941
Die frühere 6. Montessorischule, die Anne sieben Jahre lang besuchte und an der sie nach eigener Aussage glücklich war. Die Schule trägt seit 1957 ihren Namen und ist bis heute in Betrieb.
Hunzestraat 244
Hier wohnte Miep Gies, die Mitarbeiterin von Otto Frank, die die Untergetauchten über zwei Jahre mit Essen und Nachrichten versorgte. Nach der Razzia sammelte sie die verstreuten Hefte vom Boden auf und bewahrte sie ungelesen auf, bis Otto nach dem Krieg zurückkehrte. Ohne sie gäbe es das Tagebuch nicht.
Stadstimmertuinen; 1941 bis 1942
Das Gebäude des Jüdischen Lyzeums, auf das Anne wechseln musste, nachdem jüdische Kinder nicht mehr an gewöhnlichen Schulen zugelassen waren. Hier lernte sie Jacqueline van Maarsen kennen, die Freundin aus ihrem Tagebuch.
Anne-Frank-Haus; 1942 bis 1944
Das Hinterhaus hinter dem Geschäftsgebäude an der Prinsengracht 263, wo Otto Frank seine Firma Opekta hatte. Gerade dieses Büro machte das Untertauchen möglich. Der Museumseingang liegt um die Ecke am Westermarkt 20 und ist nur mit vorab gebuchtem Zeitfenster zugänglich.
Westermarkt
Die Anne-Frank-Statue von 1977 von Mari Andriessen und die Westerkerk, deren Glocke sie vom Hinterhaus aus hören konnte. In ihrem Tagebuch schrieb sie, dass ihr dieser Klang gerade Ruhe gab.
Über diese Route
Die Route folgt ihrem Leben in chronologischer Reihenfolge, von ihrer Kindheit im Rivierenbuurt bis zum Hinterhaus im Zentrum.
Länge und Dauer: etwa 7 Kilometer. In anderthalb Stunden ohne Pausen zu gehen, oder in einer knappen halben Stunde mit dem Rad.
Nehmen Sie das Rad: zwischen dem Rivierenbuurt und dem Zentrum liegt ein Stück von über drei Kilometern ohne Stationen. Mit einem Mietrad wird es eine angenehmere Tour.
Anfang und Ende: Sie starten am Merwedeplein in Zuid, erreichbar mit Tram 4 oder 12, und enden am Westermarkt im Zentrum.
Planen Sie Ihr Zeitfenster: stimmen Sie die Route auf Ihr gebuchtes Zeitfenster für das Anne-Frank-Haus ab, und bedenken Sie, dass Sie dort anderthalb Stunden verbringen.
Nehmen Sie das Tagebuch mit: unterwegs Passagen an dem Ort zu lesen, an dem sie geschrieben wurden, macht die Route erheblich eindringlicher.
Was Sie unterwegs sehen: an verschiedenen Adressen liegen Stolpersteine im Gehsteig, kleine Messingplatten mit dem Namen eines Bewohners, der von dieser Adresse aus deportiert wurde. Im Rivierenbuurt liegen besonders viele.